Next Generation Science
Shownotes
Jahre lang im stillen Kämmerlein über tiefschürfenden Fragen brüten, um danach akademische Weihen zu erlangen – das war (vielleicht) einmal. Heute sieht die Promotionsphase ganz anders aus. Seit der ersten Exzellenz-Initiative vor rund 20 Jahren haben Universitäten nach Ruhrgebietsvorbild an sich gearbeitet. Promovierende stehen im Austausch miteinander, können Mittel für eigene Veranstaltungen beantragen, ins Ausland gehen und sich als Gutachtende und Peer Reviewer ausprobieren.
Was es noch alles für Angebote gibt und wie das bei den Doktorandinnen und Doktoranden ankommt, diskutiert Moderator Sven-Daniel Gettys mit Dr. Christiane Wüllner, Geschäftsführerin der RUB Research School, und Prof. Dr. Doris Reiter, Geschäftsführerin der Dortmund Graduate School of Physics, in Folge 4 von „Think.Try.Transform“, dem Podcast des Ruhr-Innovation Lab.
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In dieser Folge erfahrt ihr… … wie die Idee zur übergreifenden Graduiertenschule aufkam. … welche Angebote Promovierende heute wahrnehmen können. … welche Erfahrungen die beiden Geschäftsführerinnen (mit der akademischen Karriere) gemacht haben. … was Promovierende erleben.
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00:00:02: Think, Try, Transform, der Podcast zum Ruhr Innovation Lab. Zu Gast heute Professor Doris Reiter.
00:00:11: Sie ist Geschäftsführerin der Graduate School of Physics in Dortmund, die es seit 2022 gibt,
00:00:17: und sie ist Wissenschaftlerin auch zugleich, und Dr. Christiane Wüllner. Sie ist
00:00:23: Executive Director der Research School in Bochum und das bereits seit der Anfangszeit, seit 2006.
00:00:30: Herzlich willkommen und wirklich schön, dass wir heute gemeinsam über das Thema Next
00:00:35: Generation Science zu sprechen kommen, also die Ausbildung zukünftiger Forscherinnen und Forscher.
00:00:41: Wirklich schön, dass Sie da sind. Ich bin sehr gespannt auf auf unser Gespräch. Liebe Frau Reiter,
00:00:46: liebe Christiane, ich hatte jetzt kurz erwähnt, in welcher Funktion Sie hier sind. Das ist jetzt
00:00:51: eine Funktion des Wissenschaftsmanagements. War das ein Weg, der für Sie klar war? Hat sich das
00:00:57: so abgezeichnet, oder ist das etwas, was sich quasi im Laufe der Zeit ergeben hat?
00:01:02: Ja, erstmal vielen Dank und guten Morgen. Ja, meine Reise, ich bin gestartet als Wissenschaftlerin tatsächlich
00:01:09: nach der Promotion. Ich bin von Haus aus Biologin, Pflanzenphysiologin und habe
00:01:15: auch danach dann noch als Postdoc gearbeitet. Ich wollte unheimlich gerne in die Medizin,
00:01:20: weil mich das schon immer interessiert hat, weil ich vorher auch eine Ausbildung gemacht habe als
00:01:25: MTA. Ich komme aus einem nichtakademischen Haushalt. Für mich war Universität nicht so wirklich ein
00:01:29: Begriff. Und habe mir das dann alles selber erschlossen und habe dann auch promoviert und
00:01:35: wie gesagt dann kurzer Abstecher in die Medizin und dann kam das Leben dazwischen. Dann habe
00:01:40: ich zwei Kinder bekommen und zur damaligen Zeit, das ist ja auch schon eine Weile her,
00:01:46: und habe mich dann aber wieder an die Universität gewandt, weil ich gedacht habe, wenn jemand weiß,
00:01:49: was ich mal konnte, dann ist es hier verortet. Und tatsächlich hat mein damaliger Doktorvater gesagt,
00:01:56: da wird eine Stelle frei in einem internationalen Graduiertenkolleg. Machen Sie das mal. Ich sag so,
00:02:02: hm, ich weiß ja gar nicht, was das ist. Doch, doch, das können Sie. Und dann habe ich das
00:02:08: erstmal gemacht und dann habe ich gemerkt, es macht mir unheimlich viel Spaß, jetzt
00:02:14: gar nicht unbedingt selber in der Forschung zu sein, aber ich war nach wie vor in meiner
00:02:17: Biologie und habe dann angefangen halt etwas zu koordinieren, also die Wissenschaftler an sich zu
00:02:23: koordinieren. Und ich fand das faszinierend. Man kommt mit viel viel mehr Forschung in Berührung
00:02:30: als nur mit der eigenen. Dann ging die Reise tatsächlich weiter in die Einrichtung, für
00:02:39: die ich heute verantwortlich bin. Das war dann im Rahmen der ersten Exzellenzinitiative,
00:02:45: die Research School in Bochum. Genau. Als wir den Antrag geschrieben haben,
00:02:51: das war dann tatsächlich auch mit meinem damaligen Doktorvater zusammen, der war dann Prorektor,
00:02:56: hinterher Rektor, und wir hatten so die gleiche Idee. Und haben gedacht, wir probieren es einfach mal.
00:03:01: Es war halt was komplett Neues, so etwas zentralisiertes und dann durfte ich das aufbauen
00:03:09: und das war quasi so mein Weg. Also für mich mittlerweile eben nicht mehr Plan B, sondern
00:03:14: Plann A, ich bin einfach froh zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein und meinen Plan A
00:03:20: tatsächlich verwirklichen zu können. Also ein Weg, der so gar nicht vorgesehen war und auch nicht
00:03:25: angelegt war als akademische Laufbahn, sondern wo es sehr auf persönliche Netzwerke ankam,
00:03:32: dass man auf die zugreifen konnte. Genau. Und das ist das ist halt sehr sehr wichtig, gerade wenn
00:03:37: man an der Universität ist. Und das ist auch das, was mir glaube ich am Anfang gefehlt hat. Ich
00:03:43: weiß nicht, ob man dann planbarer ist, wenn so vom Elternhaus schon viel mehr Bereich Universität und
00:03:49: diese Karrierewege auch thematisiert werden. Man braucht tatsächlich Mentoren,
00:03:58: man braucht Gespräche, um zu wissen, was man kann. Und was man vielleicht auch nicht
00:04:04: kann. Okay. Und wo Türen aufgehen oder? Frau Reiter, wie war das bei Ihnen? Ja, auch erstmal von mir hallo und vielen Dank für die nette Einladung. Ich bin von Haus
00:04:15: aus Physikerin, das heißt, ich habe in Physik mein Diplom gemacht, was es damals noch gab,
00:04:21: was jetzt der Master ist. Habe dann in Physik auch promoviert und ich denke schon, der Schritt
00:04:27: zur Promotion ist die erste Entscheidung, die man in seinem wissenschaftlichen Leben trifft oder
00:04:32: nicht. Und nach der Promotion stellt sich, glaube ich, allen die Frage, bleibe ich oder bleibe ich
00:04:37: nicht. Da hatte ich die Möglichkeit zu bleiben. Ich muss sagen, das habe ich nicht leichtfertig
00:04:42: gemacht. Manche sagen, die Tür ist offen, ich gehe durch. Ich habe mir das auch überlegt, wo
00:04:45: möchte ich hin, wo sehe ich mich dann am Ende meiner Karriere, also soweit bin ich noch nicht,
00:04:53: aber irgendwie in den weiteren Schritten. Und für mich die Gründe zu bleiben waren immer, es hat mir
00:04:58: viel Spaß gemacht. Es ist das Umfeld, in dem ich sein wollte. Das Umfeld ist nicht perfekt,
00:05:02: aber es ist da, wo ich mich wohlgefühlt habe. Und dann habe ich ein Postdoc gemacht. Ich war in
00:05:08: meiner Postdoc-Zeit für ein Jahr lang am Imperial College London in Großbritannien. International.
00:05:14: Genau. Ich war auch schon einmal vorher ein halbes Jahr unterwegs gewesen und bin dann
00:05:19: zurückgekehrt und wurde Juniorprofessorin an der Universität Münster. Und das war eine
00:05:25: Juniorprofessur ohne Tenure Track. Das bedeutet nach sechs Jahren kann man noch drüber reden,
00:05:32: ob es ein siebtes dazu gibt, dann wäre halt Schluss gewesen. Und das ist natürlich ein Riesendruck,
00:05:36: dem man da ausgesetzt ist, wenn man sich halt überlegen muss, ja, wie kommt nach dieser Zeit
00:05:41: das Brot auf den Tisch? Ja, ganz genau. Ja. Und da hatte ich dann wirklich auch am
00:05:47: Ende gesehen, es ergibt sich nichts für mich im Sinne der Professuren. Ich hatte mich beworben. Es
00:05:54: ist halt nie was geworden in der Zeit. Und dann habe ich halt geschaut, wie geht's für mich weiter,
00:06:00: und da hatte sich die Möglichkeit ergeben für mich hier an die TU Dortmund zu kommen, im Rahmen
00:06:05: sowohl als Wissenschaftlerin zu kommen, aber auch als Geschäftsführerin der Dortmund Graduate School
00:06:10: of Physics, wo man sich überlegt hatte, dass man die Doktorandinnen- und Doktorandenausbildung
00:06:16: für uns in der Physik etwas mehr strukturieren möchte. Da kann ich gleich noch ein bisschen mehr
00:06:20: drüber erzählen, was wir da machen. Und seitdem bin ich jetzt seit dreieinhalb Jahren hier an der
00:06:25: TU Dortmund. Ich muss sagen, es gefällt mir hier sehr gut. Sehr schön. Haben Sie diese
00:06:31: Unterstützung auch gehabt, die Sie sich jetzt - die Sie jetzt anderen geben können im Laufe
00:06:35: der Karriere und auch der Entscheidung, die Sie treffen mussten? Wir sind immer noch
00:06:41: sehr in der Wissenschaft darauf angewiesen auf die Betreuungsperson, das ist typischerweise der Doktorvater,
00:06:47: die Doktormutter, die das besser oder schlechter erfüllen. Und ich war immer jemand,
00:06:52: ich habe es dann eingefordert. Ich hatte manchmal Fragen, ich habe gefragt, ist das was,
00:06:59: wo mich meine Betreuungsperson sieht? Ich habe das auch andere Leute gefragt. Ich glaube aber, da bin
00:07:04: ich eher die Ausnahme von der Regel, dass ich das eingefordert habe. Ist immer noch ein Tipp,
00:07:08: den ich gebe. Mal einfach fragen, das hilft viel weiter. Und ich denke, wir versuchen
00:07:14: das jetzt nicht nur auf Abruf zu kriegen von den Doktorandinnen und Doktoranden, sondern
00:07:19: in unserer Graduate School versuchen wir das auch ein bisschen zu systematisieren, sodass es nicht
00:07:24: mehr wirklich nur darauf kommt, habe ich gefragt, sondern eigentlich sollte man drüber reden. Sollte
00:07:29: der Raum dafür da sein, dass drüber geredet wird und dass sich diese Fragen gestellt werden und
00:07:34: dass diese Fragen auch mit Menschen besprochen werden, die vielleicht ein bisschen mehr Erfahrung
00:07:38: und dann andere Blickweisen haben.
00:07:39: Ja, das knüpft ja ein bisschen auch an die Folge 2 an, wo Frau Havenith dann ja erzählt hat, wie wichtig es ihr ist, ein Umfeld zu schaffen, in dem Forscherinnen,
00:07:48: Forscher sich auch wirklich entfalten können und tatsächlich Möglichkeit haben, sich sozusagen zu entwickeln.
00:07:53: Ich glaube, gerade für unsere Doktorandin und Doktoranden steht erstmal im Vordergrund, dass sie ihre Promotion hervorragend machen. Das das ist natürlich ganz wichtig für
00:08:02: die und sie machen sich auch viele Gedanken, wo geht's danach weiter? Für manche ergibt sich
00:08:06: die Möglichkeit so wie bei mir, an der Universität zu bleiben, aber wir sehen halt auch natürlich
00:08:12: sprechen die mit den Leuten, die Jahre älter sind als sie, und da sind sehr viele in der Physik
00:08:17: gerade in die Industrie gegangen, weil wir haben die Möglichkeit technische Berufe aufzugreifen,
00:08:22: aber auch Beratungsberufe, und dann laden wir auch explizit ehemalige ein, die dann darüber
00:08:28: berichten, wie war mein Weg in die Industrie oder wie war mein Weg in den Beruf, in dem ich jetzt
00:08:34: bin. Das kann ja auch ein Startup sein. Wir hatten auch schon mal jemanden da, der berichtete, wie
00:08:37: war meine Ausgründung? Und deswegen, ja, es wird mehr darüber gesprochen. Ich glaube, es ist jetzt
00:08:42: einfach mehr auf dem Tisch. Früher war das so ein bisschen mal in der Kneipe abends gewesen und dann
00:08:48: ach, kannst du mal erzählen, und jetzt sprechen wir in der Gruppe drüber, und so ist es für alle
00:08:51: zugänglich, und ich denke, das ist was wirklich schönes.
00:08:55: Also, sie haben gerade früher genannt. Vielleicht kann ich ein bisschen von früher sprechen. Ich glaube, das ist noch mal da
00:09:01: ist noch ein bisschen mehr Zeit zu früher. Das ist immer so ein dehnbarer Begriff. Ja, also ich finde
00:09:06: früher, wenn es um die Unterstützung von jungen Wissenschaftlerinnen auf dem Karriereweg geht,
00:09:13: ist tatsächlich 2005, 2006, als wir angefangen haben. Also die Graduiertenkollegs der DFG,
00:09:20: die existieren seit 1990 und das heißt, bis 2005 waren es nur 15 Jahre und es war
00:09:29: die Unterstützung, die es bis dahin gab, waren tatsächlich Drittmittel gefördert von der DFG,
00:09:35: wirkliche Unterstützungsmöglichkeiten an den Universitäten, zentrale oder dezentrale gab es
00:09:41: offen gestanden nur super spärlich.
00:09:44: Ja, absolut.
00:09:44: Und die Exzellenzinitiative hat ja genau das gewollt, dass sie gesagt hat, wir möchten ganz gerne die Universitäten animieren, ein bisschen kreativ zu sein. Als wir damals uns da beteiligt haben, hat man natürlich
00:10:00: viel Gespräche auch geführt mit der DFG, und die haben immer gesagt, bitte malen Sie, bitte malen
00:10:05: Sie. Und dann haben wir gedacht so, okay, malen bedeutet kreativ sein, einfach mal outside the
00:10:11: Box denken, was anderes denken, und die Chance haben wir, glaube ich, ganz gut genutzt. Also,
00:10:17: es ist ja auch einfacher, wenn nichts existiert, eine Idee zu haben und was zu machen, als
00:10:23: wenn schon ganz viel existiert und da hatten wir halt einfach Glück. Und im Unterschied jetzt,
00:10:27: zu Ihrer mehr thematisch oder Forschungsbereich- fokussierten Graduiertenschule ist die Research
00:10:32: School ja eine, die die ganze Universität umspannt, und die Research School ist für alle Doktoranden
00:10:39: zuständig, und das bedeutet nicht wissenschaftlich, also die Wissenschaft und alles was damit zu tun
00:10:46: hat, ist natürlich in den Fakultäten verortet, und dafür sind auch die Profs und die Fakultäten
00:10:50: zuständig. Aber alles, was darüber hinausgeht, das was Sie auch gerade gesagt haben, Frau Reiter,
00:10:56: Unterstützung während der Promotion oder Karrierevorbereitung. Und was ich,
00:11:03: ich bin ja auch angefangen mit dem Biologenblick, und dann hat man auf einmal so eine School
00:11:09: und baut die für die ganze Universität auf, kommt mit Geisteswissenschaftlern zusammen, und bevor wir
00:11:15: halt angefangen haben, die School tatsächlich dann aufzubauen, musste sie erstmal bewilligt
00:11:19: werden und das war schon ein unheimlich universitätsverändernder Prozess, weil auf
00:11:29: einmal Professoren aus all diesen Fachbereichen zusammenkommen mussten. Die mussten üben für
00:11:35: eine Begehung, die damals vor Ort in Bonn war. Die mussten zusammenarbeiten. Wir mussten im Vorfeld
00:11:42: uns auf eine gemeinsame Sprache verständigen. Und das war so, also finde ich heute noch toll.
00:11:49: Wenn ich dann zurückdenke, es war so toll zu sehen, wie die Professoren Interesse hatten. Also,
00:11:55: das hat auch etwas verändert in der Universität und war dann quasi der Baustein für die Research
00:12:01: School, und dort haben wir es dann genauso mit den Doktoranden gemacht, die wir dann,
00:12:06: ob sie es wollten oder nicht zusammengepfercht haben, alle Disziplinen und das an sich,
00:12:13: klar, man hat ein Programm, aber das an sich hat einen wahnsinnig großen Wert, Interdisziplinarität
00:12:20: voneinander zu lernen. Aber wir hatten jetzt eigentlich chronologisch begonnen mit der
00:12:24: Research School. Vielleicht verschaffen uns erstmal so ein so einen Überblick,
00:12:27: was es eigentlich mittlerweile an Strukturen gibt. Das ist ja enorm. Das ist, wenn man sich
00:12:31: mal die Webseiten anschaut, der UAR z.B., auf die wir gleich auch noch zu sprechen kommen,
00:12:36: und sich da allein die Graduiertenkollegs anschaut, das ist ja eine lange lange Liste,
00:12:40: die da mittlerweile für die RUB steht. Was gibt es an der TU Dortmund?
00:12:43: Wir haben ja ganz viele Promovierende bei uns und der erste Punkt ist, wo werden die Promovierenden draus bezahlt? Das also,
00:12:49: das ist was schönes, da muss ich sagen, da ist die Physik ein unglaublicher, also Vorreiter.
00:12:54: Es ist aber auch irgendwie sehr natürlich in unserem Fachbereich, Bezahlung, weil am Ende
00:12:59: des Tages wollen wir was zu essen haben. Ohne das können wir auch keine Wissenschaft machen. Da sind
00:13:03: auch schon in diesem Punkt die unterschiedlichen Fachbereiche sehr unterschiedlich. Und jetzt haben
00:13:08: wir Promovierende, die sitzen auf einer Stelle, die wird bezahlt von der Professur aus bzw. dann
00:13:14: vom Land aus. Die sind gar nicht in diesen Strukturen drin gewesen. Und auf der anderen
00:13:18: Seite haben wir die Promovierenden, die sind in Graduiertenkollegs, und da wird ganz viel Förderung
00:13:24: gemacht, und wir haben jetzt die Dortmund Graduate School of Physics geschaffen, damit alle
00:13:30: unsere Promovierenden eigentlich auch Struktur haben und auch die tollen Möglichkeiten haben,
00:13:35: weil, was ich bin, ist ein bisschen so eine Informationsschnittstelle, ja, die kennen oft gar
00:13:41: nicht, egal wo sie herkommt, die kennen gar nicht diese ganzen tollen Angebote, die da sind, müssten
00:13:45: sie halt selber machen, aber wir sagen jetzt so: "Ah ja, schaut doch mal, da ist ganz viel da, da
00:13:51: können ganz viel gemacht werden. Da kann man sich jetzt nicht nur fachlich weiterbilden, sondern
00:13:55: da kann man genau zu z.B. zum Karriereforum gehen, was in der, das ist wirklich in
00:14:01: der UA Ruhr passiert. Da kann man zusammen gehen zu unserem Graduiertenzentrum. Das sind die,
00:14:05: die Kurse anbieten, entweder an der TU Dortmund oder an der RUB, wo man sagen kann, ich möchte was
00:14:11: lernen über Academic Writing. Das ist ja total toll. Oder ich möchte lernen, wie präsentiere
00:14:16: ich mich richtig? Ganz wichtiger Skill heutzutage, wie mache ich mein Poster richtig? Wie mache ich
00:14:21: meinen Vortrag richtig? Und dann natürlich auch Skills, wie willst dann nachher mit der Promotion,
00:14:25: wie schreibe ich die gut zusammen? Wie kann ich dann meine gute Disputation machen? Ganz
00:14:30: zentrale Fragen für die und das sind ja erstmal Strukturen, die wurden genau dadurch geschaffen,
00:14:35: aber jetzt müssen wir die Leute da ja auch hinbringen, wenn sie erstmal gar nicht
00:14:44: intrinsisch dahin wollen und da helfe ich ganz viel weiter, dass das auch wahrgenommen wird. Das
00:14:44: heißt, es gibt einmal ganz konkret für Physiker und Physikerinnen die Graduate School und für alle
00:14:50: anderen in Dortmund gibt es da ähnliches. Das ist halt das Graduatezentrum. Das das klingt immer
00:14:55: ein bisschen gleich, weil alles mit Graduate anfängt, aber das ist genau das, was die Kurse
00:15:01: anbietet, bei denen sich unsere Doktorandinnen und Doktoranden weiterbilden können. Also,
00:15:05: wir machen gar nicht diese Ausbildung in den überfachlichen Skills selber, sondern wir
00:15:10: bieten die Struktur dafür, dass sie dahin gehen können und sollen.
00:15:16: Okay. Und wird man da Mitglied qua Promotionsstudium?
00:15:21: Genau. Wir haben unsere Promotionsordnung daraufhin geändert, dass alle unsere Promotionsstudierenden Mitglied in der Dortmund Graduate School of Physics sind.
00:15:32: Jetzt sage ich immer können und sollen. Wir haben halt auch eine Strukturierung dabei gebracht,
00:15:36: die ich persönlich als sehr wichtig empfinde. Und da möchte ich zwei Säulen nennen. Das erste ist,
00:15:42: wir haben jetzt auch wieder Creditpunkte. Das klingt jetzt erstmal wie eine Belastung. Muss
00:15:46: ich wieder studieren für unsere Promovierenden, weil, eigentlich wollen die am liebsten ins
00:15:49: Labor gehen oder vom Computer sitzen und den ganzen Tag nur Forschung machen. Aber nein,
00:15:54: das ist eigentlich etwas, was so gestaltet ist, dass man es eh sehr schnell erreicht. Also,
00:16:00: man sollte eigentlich auch mal veröffentlichen in der Physik, dann gibt's dafür Creditpunkte.
00:16:03: Man sollte auch eigentlich auch mal rausgehen auf eine Konferenz, und so sammelt sich das
00:16:08: zusammen. Was zwei sehr wichtige Punkte darin sind. Wir haben zwei verpflichtende Module.
00:16:14: Zum einen sagen wir gute wissenschaftliche Praxis, da muss man einmal einen Kurs zu machen,
00:16:18: und das zweite ist ein Kurs über Chancengleichheit und Diversität. Also auch, dass wir sagen, ja,
00:16:23: auch hier sehen wir so eine wichtiges Thema, dass wir darin weiterbilden wollen. Das
00:16:28: ist die erste Säule, und die zweite Säule ist, dass wir wirklich regelmäßige Feedbackgespräche
00:16:33: haben, und darüber auch eine Qualitätskontrolle in Form vom jährlichen Berichten haben. Das heißt,
00:16:38: wir fordern alle auf beide Seiten, also nicht nur die Studierenden oder Promovierenden,
00:16:43: sondern auch die Betreuungsperson, sich wenigstens einmal im Jahr für eine Stunde zusammenzusetzen
00:16:47: und genau diese Fragen zu stellen. Wo geht's eigentlich hin? Wo sind deine Stärken? Wo sind
00:16:52: deine Schwächen? Was ist das, was wir ausbauen wollen? vielleicht Wünsche diskutieren und dann
00:16:57: natürlich in Jahr drei oder vier, je nachdem, wenn man das Ende der Promotion in Sicht hat,
00:17:02: auch mal zu diskutieren, wo wo geht's hin, in die Industrie, in die Wissenschaft, und
00:17:07: wie kann man dafür die besten Voraussetzungen schaffen? Und ich glaube, es ist ganz wichtig,
00:17:11: dass wir zusätzlich zu den übergeordneten Strukturen auch in die Fachbereiche reingehen,
00:17:15: weil, wenn es zu abstrakt ist, dann scheinen die Studieren es es nicht greifen zu können erstmal.
00:17:21: Und so ist wirklich jemand da, wo sie auch das Gesicht kennen, wo, ich sitze ja im Fachbereich
00:17:27: drin und der an also, die Hemschwelle, mich anzusprechen ist hoffentlich gering.
00:17:28: Gibt es auch sozusagen Mitwirkungsmöglichkeiten für die Promovierenden? Können die mitgestalten?
00:17:35: Das auf jeden Fall. Auf jeden Fall. Das ist uns auch total wichtig, dass es auch ein Mitspracherecht
00:17:44: gibt. Wir haben halt eienn Vorstand, der sich zusammensetzt wie ein wissenschaftliches Gremium.
00:17:50: Das heißt, da sind sowohl Professorinnen als auch Professoren drin, aber auch wissenschaftliche
00:17:54: Mitarbeitende mit und ohne Promotionsrecht, so muss ich das jetzt mal sagen, aber das heißt,
00:17:58: da sind auch unsere Doktorandinnen drin, und das heißt auch, bitte sagen, wenn etwas schief läuft,
00:18:05: wenn etwas anders laufen soll, und ich versuche immer zu mehr, sage ich mal,
00:18:10: Eigeninitiative, zu Gestaltung zu motivieren, in dem Provierenden Treffen gemacht werden.
00:18:15: Und dann ist natürlich für mich selbstverständlich klar und ich versuch es auch immer zu sagen, ja,
00:18:19: da helfe ich dabei, wenn der Raum gemietet werden muss, manchmal ganz weltliche Probleme, wenn eine
00:18:24: Pizza auf dem Tisch stehen soll oder so etwas, oder aber auch, wenn mal jemand eingeladen werden soll,
00:18:29: dann heißt, oh ja, wir interessieren uns alle sehr stark für das Thema Beratung. Gehen einige
00:18:33: unserer Promovierenden jetzt hin. Können wir mal jemand von einer Firma aus der Beratung einladen,
00:18:38: damit diese Person erzählt, wie ist es denn da eigentlich? Okay, das heißt,
00:18:41: das ist ein wachsender Prozess. Wir machen das jetzt seit seit zweieinhalb Jahren,
00:18:48: also 2022 braucht man noch so ein bisschen so ein Jahr lang zum Starten. Unsere ersten
00:18:54: Promovierenden sind gerade erst fertig geworden und ich weiß gar nicht, ob sie ihre Verteidigung
00:18:58: schon hatten, aber das, da sieht man, wie jung wir das gerade machen. Aber jetzt sieht man
00:19:03: auch schon die ersten Erfolge von dieser ganzen Initiative, weil Promovierende, es gibt oft diese,
00:19:10: bei neun von zehn Promovierenden ist alles gut, und die wollen wir auch mit wirklich möglichst
00:19:15: wenig Bürokratie belasten, weil die sollen ja wirklich Zeit haben, ihre Forschung zu machen,
00:19:20: ihre Forschungsideen zu verfolgen. Aber es gibt doch immer mal wieder Konflikte, und es
00:19:25: gibt mal Tiefphasen, und die wollen wir auch abholen, und da wollen wir halt auch sagen,
00:19:30: ja, wir sehen, eine Promotion ist mehr als nur Forschung machen. Es gibt alle möglichen lebens-
00:19:38: großen Blöcke, die einen oder Steine, die einem in den Weg geschmissen werden. Und da sagen wir auch so,
00:19:43: ja, das wird dann wenigstens auch auf den Tisch gebracht, entweder in den Feedbackgesprächen,
00:19:48: aber wir haben auch zwei Vertrauenspersonen im Fachbereich benannt, wo nicht nur Studierende im
00:19:55: Bachelor und Master, aber auch unsere Promovierenden aufgefordert werden hinzugehen. Und dann
00:20:00: kann man sehen, ist es etwas, wo wir Aktion machen müssen. Es ist vielleicht auch etwas,
00:20:04: das legt sich wieder in zwei Monaten. Es gibt ja die ganze Bandbreite an Problem, aber es gibt
00:20:08: manchmal auch wirklich Sachen, wo wir dran gehen müssen, auch als Fakultät.
00:20:13: Sehr spannend. Also allein darüber könnte man tatsächlich so tief einsteigen, das ist so schade,
00:20:19: dass wir jetzt sozusagen hier noch bei den Strukturen bleiben. Aber noch mal zurück
00:20:24: zur Research School, die ist ja tatsächlich, wenn man so will, ein Kind der ersten Exzellenz
00:20:28: Initiativ-Phase gewesen, und letztendlich, wenn man es so sagen will, auch dasjenige,
00:20:33: was dann tatsächlich umgesetzt wurde. Inwiefern war das ein Role Model für auch die anderen Strukturen,
00:20:38: die ja dann geschaffen wurden? Christiane, kannst du uns einmal noch mal erklären, wie das eine
00:20:42: zum anderen kam und wie daraus sozusagen ein universitätsübergreifendes Netz zusammengekommen
00:20:47: ist, und wie das auch heute noch zusammenwirkt?
00:20:51: Für die Research School war das am Anfang eine ziemliche Herausforderung. Also hier, ich kann jetzt ja erstmal nur für die RUB sprechen.
00:20:59: Wir haben schon immer vier, fünf Graduiertenkollegs gehabt, das heißt DFG-geförderte Graduiertenkollegs.
00:21:04: Dann haben wir aber auch solche Graduiertenkollegs aus den Fakultäten heraus,
00:21:09: wie das jetzt an der TU Dortmund ist, z.B. in der Biologie schon sehr lange, in der Chemie auch
00:21:14: sehr, sehr lange und wir mussten jetzt gucken, wenn es da so ein Dach gibt als Research School,
00:21:19: wie passt das denn mit denen zusammen? Wir möchten unterstützen. Das war am
00:21:27: Anfang gar nicht so einfach, weil natürlich auch manchmal so ein Gedanke, die wollen uns
00:21:33: was wegnehmen, kommt, und das möchte man ja nicht. Also, das war ein relativ langer Prozess, um mit
00:21:39: den Fakultäten auch tatsächlich zusammenzukommen und zu sagen, wir nehmen euch nichts weg, sondern
00:21:43: wir geben euch etwas. Ihr seid nach wie vor für die Forschung zuständig und wir harmonisieren
00:21:50: quasi unsere Curricula, also Curriculum ist vielleicht ein bisschen zu harter Ausdruck, aber
00:21:55: Vorgaben oder strukturierte Programme. Ich hatte schon immer die Idee, dass man vielleicht
00:22:01: auch mal was für alle drei Universitäten gemeinsam machen kann. Und dann haben wir 2015 ist dann
00:22:07: diese Idee mal so langsam reingekommen. Die Universitätsallianz existierte da ja auch
00:22:13: schon über oder fast 10 Jahre - 2007 glaube ich. Genau, 2007 ist die gegründet worden, und das heißt
00:22:19: auch schon Erfahrungswerte, wie arbeitet man denn zusammen und dann sind wir wirklich eher richtig
00:22:24: low level mit so einer Nachwuchs-AG - damals durfte man noch Nachwuchs sagen,
00:22:28: Nachwuchsförderung - Early Career Researchers - ja, heute ist das Wissenschaftlerinnen eben auf dem Karriereweg
00:22:34: oder in frühen Karrierephasen, und dann haben wir uns zusammengesetzt, und dann ist diese Idee der
00:22:39: Research Academy entstanden, und die ist dann gefördert worden von den drei Universitäten,
00:22:45: aber auch von vom Land und von Merkur und die ist 2018, 2017 ist sie dann gestartet
00:22:54: und 2018 sehr sehr konzentriert mit auch mit einer Koordinatorin. Also die Akteure sind die
00:23:01: drei lokalen Einrichtungen. Wir machen quasi alles, aber wir bieten das unter diesem Dach
00:23:06: an. Die Promotion ist nach wie vor sehr auf die lokal auf die Universität konzentriert. Das ist
00:23:13: ein formaler Prozess. Das ist auch wäre auch total wuschelig, wenn man da jetzt vielleicht
00:23:19: ist das so Zukunftsperspektive, aber momentan eben noch nicht. Da bleibt man sehr in der
00:23:23: Universität lokal, aber bei den Postdocs ist die Research Academy wirklich extrem,
00:23:32: also eine extrem gute Einrichtung, weil man eine andere kritische Masse hat. Wenn wir
00:23:38: im Rahmen der Research Academy etwas anbieten für Postdocs, haben wir eben alle drei Universitäten,
00:23:44: die dann die Person oder wo es wo die Aktivitäten beworben werden, die dann teilnehmen.
00:23:50: Das ist das, was in der Research Academy angeboten wird und dort werden alle karriererelevanten
00:23:57: Veranstaltungen angeboten, also akademische Karriere oder Karriere außerhalb akademischen Umfelds,
00:24:03: sagen wir mal. Also die Vernetzung mit Wirtschaft z.B., die ins Gespräch kommen,
00:24:07: die ja NGOs prinzipiell auch Startup ist immer ein Thema. Ja, wie mache ich das
00:24:14: denn vielleicht auch noch parallel? Und das bieten wir auch alles unter dem Dach der Research Academy
00:24:19: an. Weil es auch diesen Vernetzungseffekt hat. Das darf man nicht unterschätzen. Wir bringen
00:24:27: damit die Promovierenden und die Postdocs aller drei Universitäten zusammen. Und das hat
00:24:34: natürlich, also das ist ja ein wissenschaftliches Umfeld. Man hat ja auch, man kann sich ja auch
00:24:39: wissenschaftlich austauschen bzw. auch z.B. Geräte von einer anderen Universität nutzen.
00:24:47: Ja, was in dem Ruhr Innovation Lab, die beiden Rektoren hatten es erwähnt,
00:24:52: auch ein wichtiger Faktor ist, dass man z.B. die Technik auch mal bündeln kann,
00:24:56: dass man sagt, müssen ja nicht beide die gleiche Infrastruktur vorhalten,
00:24:59: sondern die eine Hochschule kann sich tatsächlich dann das sehr aufwendige leisten,
00:25:04: die anderen nutzen es mit, und dafür können die anderen Gelder, die frei werden, dadurch
00:25:07: woanders genutzt werden, und gleichzeitig ist man tatsächlich dann auch in einem echten Austausch
00:25:11: und nicht sozusagen nur auf dem Papier miteinander vernetzt.
00:25:14: Und du hattest noch, weil, das ist ja ein schönes Stichwort mit dem Role Model. Also die Research School war tatsächlich ein Role Model, ist
00:25:23: auch vom Wissenschaftsrat als Role Model ausgewiesen worden und jetzt vielleicht nicht nur auf die
00:25:30: beiden Nachbar-Universitäten bezogen. Sicherlich war man da auch ein bisschen ein Vorbild.
00:25:35: Und auch im Aufbau der Research Academy wurden dann auch noch die beiden,
00:25:40: der Aufbau der beiden lokalen Einrichtung wurde extrem unterstützt, sodass man dann jetzt
00:25:45: wirklich sehr parallel arbeiten kann, sondern auch für Deutschland, also damals wir und München,
00:25:53: also die TU München, wir waren die einzigen, die eine zentralisierte Struktur beantragt haben. Alle
00:25:58: anderen haben in der Exzellenzinitiative quasi größere Graduiertenkollegs beantragt, und diese
00:26:05: und wir hatten eben diese wirklich nichtfachliche, diesen nichtfachlichen Zuschnitt und sind
00:26:11: als Role Model tatsächlich gelaufen und die meisten Universitäten mittlerweile in
00:26:17: Deutschland haben irgendwie eine zentrale Verantwortung für junge Wissenschaftlerinnen.
00:26:23: Muss nicht eine Einrichtung sein, das sind auch manchmal Stabstellen, das sind Personen,
00:26:27: die irgendwo noch sitzen, aber für die DFG ist es mittlerweile auch bei Anträgen und auch bei
00:26:33: anderen Förderorganisationen, es ist Voraussetzung, dass man eben eine irgendwie geartete zentrale
00:26:39: Struktur hat, um junge junge Menschen während der Promotion und auch mittlerweile im Postdoc
00:26:46: in der Postphase zu unterstützen. Ja, deswegen Netzwerken ist glaube ich das Stichwort.
00:26:46: Ja, wir haben einen O-Ton mitgebracht von einer Doktorandin, mittlerweile Postdoc, die uns
00:26:56: erzählt hat, was für sie z.B. besonders wichtig war. Wir hören Julia Wolf, sie ist Postdoc an der
00:27:02: Ruhr-Universität in Bochum und erzählt uns, was für sie besonders wichtig war.
00:27:06: Ich bin Julia Wolf. Ich bin Postoc an der Philosophiefakultät hier an der Ruhr-Universität und ich habe auch tatsächlich
00:27:14: meine Promotion hier in Bochum abgeschlossen, auch in Philosophie. Zur Research School bin ich
00:27:19: während meiner Promotion tatsächlich gekommen. Ich habe darüber ein Research Stay im Ausland
00:27:25: finanziert bekommen, wofür ich den Antrag gestellt hatte. Sowie, was vielleicht
00:27:30: noch besonderer war, dass wir als Gruppe von Doktoranden in der Philosophieabteilung uns
00:27:36: damals zusammengeschlossen haben und Geld bekommen haben, um einen eigenen Workshop zu organisieren
00:27:42: für Early Career Research in der Philosophie. Zu dem Förderprogramm sollte ich wahrscheinlich auch
00:27:48: noch dazu sagen, dass das auch den besonderen Aspekt von Peer Review hat, also dass es
00:27:54: tatsächlich von anderen Doktoranden begutachtet wird und in einer späteren Stufe dann auch von
00:27:59: Postdocs so wie mir jetzt im Rahmen des Research Support Boards. Das ist wirklich auch etwas,
00:28:05: was ich auch als großen Vorteil sehe, weil es hilft einem ungemein, Anträge zu schreiben, wenn
00:28:10: man selbst halt auf der anderen Seite gesessen hat und gesehen hat, okay, wie ist das überhaupt,
00:28:15: wenn ich den Antrag von jemand anderem lese?
00:28:18: Frau Reiter, inwiefern ist das in eine ganz wichtige Eigenschaft, die auch jetzt in ihrer Graduate School, sie hatten es ja schon angesprochen,
00:28:25: eine Rolle spielt, die zunehmend wichtig ist, wenn man so einen Berufswunsch,
00:28:30: Berufsziel vor sich hat. Ich denke aber, was ich hier raushöre, was eine ganz besondere wichtige
00:28:36: Fähigkeit ist, ist der Perspektivenwechsel. Und ich glaube, den Perspektivenwechsel zu
00:28:42: vollziehen, wie das gerade beschrieben wurde, am besten mal durch selber machen, auf der
00:28:48: anderen Seite sitzen, mal sein erstes Gutachten schreiben, mal das erste Mal drüber nachdenken,
00:28:53: wie bewerte ich das, anstatt immer nur zu sagen, wie schreibe ich das selber? Und ich glaube,
00:28:57: das ist die wunderbare Erfahrung, die alle machen sollten. Und das ist immer so ein bisschen,
00:29:03: wie viel Eigeninitiative steckt man rein? Wann kommt es? Es kommt auf jeden Fall, ich sage jetzt
00:29:08: auch hier für meine Disziplin, wenn man dann bleibt als Postdoc, da wird man auf jeden Fall
00:29:13: gefragt, ob man etwas begutachtet, weil wir sind alle, also sind alle immer auf der Suche nach
00:29:18: Gutachterinnen und Gutachtern. Jetzt vielleicht mal das erste Paper sehen und da fällt was auf,
00:29:22: aber es ist halt auch dieses Peer Feedback ist oft mal etwas besseres als wenn das Feedback immer
00:29:28: von oben kommt, weil man ist ein bisschen milder miteinander, man ist ein bisschen ach, ich stecke
00:29:33: ja auch selber drin und man will den anderen vielleicht auch nicht in die Pfanne hauen oder die
00:29:36: andere und da lernt man auch einiges. Ja, wie sage ich jetzt etwas? Ich möchte etwas kritisieren,
00:29:42: also im Sinne von verbessern, aber ich möchte es trotzdem konstruktiv sagen. Und da muss ich sagen,
00:29:47: erlebe ich einfach aus meinem Alltag auch schon in der Lehre, dass die junge Generation, die da jetzt
00:29:52: sitzt, unsere Studierenden das sehr gut machen auch schon. Aber ich glaube auch gerade für Anträge,
00:29:58: dieser Perspektivwechsel, der wird einem nicht immer geboten und der ist unglaublich hilfreich,
00:30:03: dass man das schafft, einfach mehr Skills zu bekommen. Die ganze Liste an Skills, da lade
00:30:09: ich nur alle ein. Schaut euch da die Webseiten an der verschiedenen Graduierten Schools,
00:30:13: der Research School oder eben der Research Academy. Da seht ihr, wie wahnsinnig vielfältig mittlerweile
00:30:18: da das Angebot ist.
00:30:19: Ich möchte jetzt das letzte Stichwort noch das Thema Internationalisierung. Auch dazu haben wir uns einen kleinen O-Ton mitgebracht, der so ein bisschen mal zeigt,
00:30:27: wie sowas dann wirklich im Alltag aussieht. Was bedeutet internationale Perspektive für
00:30:32: Young Research im Alltag? Und da hören wir jetzt einmal auch kurz rein.
00:30:37: So, mein Name ist Niklas Rilke. Ich bin Promovierender an der IGSN, der International Gradiate Scure of Neuroscience
00:30:43: und promoviere in Neurowissenschaften und hatte jetzt die Möglichkeit über Unterstützung durch
00:30:48: die RUB Research School nach Japan zu reisen und dort den ISNI Kongress 2025 zu besuchen.
00:30:55: Das ist der Kongress der Neuroimmunologie, der International Society for of Neuroimmunology.
00:31:00: Und das war geprägt von ganz vielen Highlights, unter anderem, dass ich knapp acht Stunden,
00:31:05: bevor er den Nobelpreis gewonnen hat, noch eine Vorlesung von Shimon Sakaguchi hören durfte live.
00:31:11: Das war mit Sicherheit ganz besonders, aber auch das Interagieren mit einigen Wissenschaftlerinnen
00:31:15: und Wissenschaftlern hat den Besuch sehr sehr einzigartig gemacht und das wäre ohne
00:31:20: diese Unterstützung nicht möglich gewesen. Darüber hinaus war es mir möglich durch die
00:31:25: Unterstützung der Research School in Bochum eine zweitägige Konferenz zu veranstalten. Da haben wir
00:31:30: Gäste aus der ganzen Welt einladen können, unter anderem aus Harvard und Cambridge. Das war ein
00:31:35: total schöner Erfolg mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der ganzen Welt sich
00:31:39: zu vernetzen. spannende Diskussion zu führen und das Feld der Neuroimmunologie in
00:31:44: Bochum sehr groß zu bearbeiten, und auch über diese zwei Tage bin ich sehr dankbar durch
00:31:50: die RUB Research School das ja ermöglicht bekommen zu haben. Das war auf jeden Fall
00:31:54: sehr wichtig für meine weitere Karriere.
00:31:57: Warum ist das so wichtig, die Internationalisierung jetzt gerade in dieser Early Career Phase?
00:32:03: Also Forschung ist international. Das ist ja ein Mehrwert für die Forschung an sich. Ich komme mit anderen
00:32:13: Wissenschaftlern zusammen, das ist das eine, also ist diese wissenschaftliche Komponente,
00:32:16: aber die jungen Leute lernen ja auch andere Wissenschaftskulturen kennen und auch andere
00:32:20: Wissenschaftssysteme. Das ist natürlich toll, wenn man jetzt hört diese O-Töne, dass das so gut bei
00:32:25: den Promovenden ankommt. Und in der ersten Phase haben wir uns ja schon so ein bisschen gedacht,
00:32:30: irgendwie könnte Internationalisierung eine Rolle spielen und jeder Promovierende hat eine eine
00:32:35: Allowance bekommen pro Jahr. Also 1.000 Euro Allowance hieß es. Und bei der Auswertung haben wir gesehen,
00:32:41: dass die meisten das tatsächlich für Konferenzen und Forschungsaufenthalte benutzen. Und das war
00:32:46: so ein bisschen der Incentive dafür, in der zweiten Phase darüber nachzudenken, warum nicht komplett
00:32:54: auf Internationalisierung zu fokussieren. Und deswegen haben wir diese verschiedenen
00:32:59: Förderlinien entwickelt. Diese Outgoing-, nennt man das dann, Förderlinien, also die Promovierenden
00:33:04: und Postdocs der RUB rauszuschicken. Im Laufe der zweiten Phase haben wir aber dann auch, und das war
00:33:12: wirklich gegen viele Widerstände, dafür gekämpft, dass aber auch Personen reinkommen. Daraus hat
00:33:18: sich dann quasi tatsächlich dieser mittlerweile seit doch sechs, sieben Jahren großer Baustein der
00:33:25: Talentakquise des Marketings entwickelt. Und das ist natürlich jetzt in der neuen Exzellenzstategie
00:33:32: ein sehr sehr wichtiger Punkt, und da haben wir glaube ich im Laufe der letzten Jahre sehr sehr
00:33:38: viel aufgebaut. Du hast vorhin auch von Netzwerken gesprochen. Also wir haben auf der einen Seite die
00:33:43: Lisaison Offices, aber es gibt ja auch weltweit die deutschen Wissenschafts- und Innovationshäuser,
00:33:48: mit denen wir mittlerweile sehr eng vernetzt sind. Also alles, was wir auch anbieten,
00:33:53: bieten wir dann über diese Netzwerke an oder DAAD Außenstellen. Das ist super. Man erreicht
00:34:00: wirklich weltweit alles. Auch Ausschreibungen können wir darüber lancieren, wenn man sich
00:34:05: wirklich mal anguckt, was die drei Universitäten zu bieten haben an Forschung, wenn man damit an so
00:34:10: einem Stand ist und einfach nur sagt, was wollt ihr denn? Auser Zahnmedizin und Agrarwissenschaften
00:34:14: haben wir hier eigentlich alles. Das ist wirklich ein Pfund. Und dann noch diese gute Unterstützung
00:34:19: für junge Wissenschaftler, das ist schon sehr attraktiv. Und was wir dann machen,
00:34:24: also es ist gerade im Bereich der Talentakquise super wichtig und das spielt ja auch jetzt in dem
00:34:29: Exzellenzantrag eine Rolle. Man muss übers Wissenschaftssystem informieren. Es bringt gar
00:34:36: nichts, einfach nur irgendwohinzufahren und zu sagen, kommt mal her. Also,
00:34:40: man muss Perspektiven bieten, man muss Transparenz bieten, also sagen, wie läuft denn
00:34:46: bei uns eine Karriere ab? Und man darf auch nicht davon ausgehen, dass man die Leute haben möchte,
00:34:52: also ein kein Braindrain-Gedanke, sondern immer dieses Brain Circulation, zu sagen, kommt
00:34:57: doch einfach zu uns vier, fünf Jahre hier Forschung machen, dann geht ihr wieder. Damit habe ich
00:35:03: auch ein internationales Netzwerk geschaffen.
00:35:05: Ich würde gerne auch eine Sache ergänzen, wenn wir über Internationalisierung und Forschung ist international reden. Ich glaube, was sich in
00:35:13: den letzten Jahren sehr viel verändert hat, ist auch der Gedanke, dass wir nicht nur Forscherinnen und Forscher fachlich ausbilden, sondern wir wollen ja auch kritische
00:35:23: weltoffene Bürger aus Bürgerinnen ausbilden, und Internationalisierung ist das, was einem die
00:35:29: Perspektive gibt, wenn wir das haben, dass gerade so schön gehört ein Forschungsaufenthalt in Japan
00:35:34: stattgefunden hat. Das ändert einfach die Sicht auf die Welt, wenn man mal auch, wenn es nur in
00:35:41: Frankreich, was jetzt etwas näher dran ist, war, wenn man da ein halbes Jahr lang gelebt hat und
00:35:45: nicht nur als Besucherin oder Besucher da war, das ändert die Perspektive darauf, wie man z.B. die
00:35:53: EU sieht, wenn man sagt, oh ja, jetzt verstehe ich, dass da so viel diskutiert wird oder auch
00:35:57: auf der Weltbühne so viel diskutiert wird. Und wir bilden sehr intellektuell fähige Menschen aus,
00:36:04: die vielleicht ja auch in Entscheidungspositionen gehen, und dass diese Menschen auch mehr
00:36:09: mitbringen als nur das Fachwissen, nämlich gewisse Perspektiven, das Verständnis für andere Menschen
00:36:15: von anderen Kulturen, mit anderen Hintergründen, auch das Verständnis, was ich gerade sagte,
00:36:20: für Diversität, Chancengleichheit, das ist ja auch etwas, was wir nicht vernachlässigen sollten,
00:36:25: sondern was wir fördern müssen. Und ich glaube, das ist auch was, was für zukunftsgerichtete
00:36:30: die Ausbildung von Doktorandinnen und Doktoranden hereinbringen werden, auch noch verstärkt.
00:36:31: Genau durch solche Strukturen, wie wir sie haben und die wir hoffentlich dann auch ausbauen,
00:36:39: dass wir sagen, ja, wir haben wirklich kritische und weltoffene und wirklich Demokratie-fördernde
00:36:47: Bürgerinnen und Bürger ausgebildet. Vielleicht nicht, bei Ausbildung denkt man immer nur an
00:36:51: Schule. Nein, das geht weiter bis das ganze Leben lang. Auf jeden Fall auch Verantwortung,
00:36:57: ja, dass man verantwortungsvoll mit dem umgeht, was man macht und was man sagt, da trägt
00:37:02: auch Internationalisierung extrem zu bei. Ja, und das ist einfach auch etwas, was man in diesem
00:37:09: ganzen gar nicht vernachlässigen darf, und da ist sehr viel Ausbaupotenzial von den Strukturen her,
00:37:15: weil ja, das machen einzelne, wir hören eben einzelne Sachen, aber wir brauchen Strukturen dafür.
00:37:20: Ich nehme auf jeden Fall als Feedback oder als Schlusspunkt mit, Frau Reiter auch ganz besonders, was Sie jetzt zum Schluss gesagt haben. Dass es neben der fachlichen Ausbildung
00:37:30: und dem Vernetzen, wofür wir diese Strukturen ja haben, Christiane hat's ja geschildert,
00:37:34: wie sich das über die Jahre entwickelt hat, zunehmend auch auf Skills ankommt,
00:37:40: die auf einer ganz anderen Ebene sind. Es ist das Stichwort Demokratisierung und Verantwortung
00:37:44: und natürlich das auch einer interkulturellen Kompetenz, nennen wir es mal so, die einfach
00:37:48: notwendig ist, um mündig zu sein und vor allen Dingen auch Verantwortung übernehmen zu können,
00:37:53: egal ob in der Forschung oder später vielleicht auch in der Wirtschaft oder für das eigene Leben
00:37:58: einfach im sozialen Umfeld. Das kann ja auch vor der Haustür beginnen, aber ich danke Ihnen
00:38:02: ganz ganz ganz herzlich für dieses Gespräch und auch für die Einblicke. Man merkt,
00:38:06: dass Sie beide für das Thema brennen, dass es eben sehr sehr wichtig ist auch darüber zu sprechen und
00:38:11: beides nehmen wir mit. Und in der nächsten Folge werden wir genau da nämlich anschließen und
00:38:17: uns einen anderen Weg noch angucken. Wir haben es ja das schon angedeutet, nämlich jenseits von der
00:38:23: Institution Wissenschaft und der Institution Wirtschaft sich vielleicht sogar eigene Pfade
00:38:27: zu bauen durch eine Gründung, durch ein Startup, durch das ja das Selbständigmachen. Das wird
00:38:33: uns in der nächsten Folge beschäftigen. Bis dahin machen Sie es gut und vielen Dank fürs Zuhören.
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