Gründung - einfach machen
Shownotes
Gründung ist nur was für Ingenieure? Weit gefehlt: Im Podcast Think. Try. Transform. berichtet Dr. Thomas Seidensticker aus der Technischen Universität Dortmund von der Geschichte seiner Gründung, die mit einer Doktorarbeit in der Chemie angefangen hat. Der Zufall und die Pfadfinder spielten später eine Rolle, heute sagt er: Gerade der Mix aus Menschen mit verschiedenen fachlichen Hintergründen ist wertvoll, wenn ein Unternehmen wachsen soll.
Das kann Michelle Twardzik nur bestätigen: Sie berät an der Ruhr-Universität Bochum alle, die mit dem Gedanken spielen, vielleicht ein Unternehmen zu gründen. Ihr Tipp: Je eher desto besser in die Beratung kommen und einfach mal ausprobieren. Selbst wenn sich später herausstellen sollte, eine Gründung ist doch nichts für mich, nimmt man viele wertvolle Erfahrungen mit.
Mehr Tipps unter anderem zu Netzwerken und Förderprogrammen und Einblicke in die Beratung geben die beiden bei Moderator Sven-Daniel Gettys.
+++
In dieser Folge erfahrt ihr… … wer über eine Gründung nachdenken sollte. … welche Beratungsangebote es an den beiden Unis in Bochum und Dortmund gibt. … wieso die Universitäten sich so stark für das Thema Ausgründung ins Zeug legen. … worauf sich Gründerinnen und Gründer einstellen sollten.
Transkript anzeigen
00:00:03: Think, Try, Transform.
00:00:05: Der Podcast ist das Ruhr Innovation Lab, und wir sind bereits in Folge fünf, in der es um das Thema Gründen und Transfer geht.
00:00:14: Was passiert also mit den Ideen, die in der Wissenschaft generiert werden, nachdem sie die Universität verlassen haben?
00:00:20: Dazu haben wir zwei Gäste eingeladen, die sich genau damit auskennen.
00:00:23: Das ist einmal Michelle Twardzik, die Gründungsberaterin und Projektmanagerin der World Factory in der Ruhr-Universität Bochum und Thomas Seidensticker, einer der Mitgründer des Start-ups Simplyfined,
00:00:36: von dem wir noch einiges hören werden.
00:00:38: Mein Name ist Sven-Daniel Gettys, und ich freue mich sehr, dass ihr da seid!
00:00:41: Lieber Thomas, in den Ruhrnachrichten habe ich gestern oder in letzten Tagen einen Artikel über euch gelesen, der mich vom Titel her schon wirklich abgeholt hat.
00:00:50: Da stand nämlich "Revolutionieren diese Dortmunder die Chemie?
00:00:54: Start-up will Milliardenmarkt umkrempeln".
00:00:58: Also das klingt auf jeden Fall noch einem ganz großen Ding.
00:01:02: Vielleicht die erste Frage, kannst du mir einmal kurz beantworten, ob ihr wirklich die Chemie revolutioniert?
00:01:09: Und zweitens, wenn ja, wie genau ihr das eigentlich anstellt?
00:01:14: Ob wir die Chemie revolutionieren, werden wir dann wahrscheinlich in zehn Jahren irgendwann mal sehen.
00:01:17: Aber wir sind schon selbstbewusst genug zu sagen, dass wir einen großen Teil der Chemie, insbesondere vor allem auch die lokale Chemieindustrie hier in NRW, doch zu einem großen Stück weit revolutionieren können aus vielerlei Aspekten, zu denen ich sicherlich dann gleich noch mehr sagen kann.
00:01:32: Was macht ihr denn genau?
00:01:33: Nur dass das einmal für jeden klar ist, Simplyfined ist ein Start-up, das...
00:01:38: Die Technologie entwickelt hat, wie wir in Zukunft weniger fossile Rohstoffe in der chemischen Industrie einsetzen können und vermehrt auf heimisch angebaute Pflanzenöle zurückgreifen können, wodurch sich eben vielfältige Vorteile ergeben.
00:01:50: Zum Beispiel genannt weniger Kohlendioxid-Ausstoß, kürzere Lieferketten, Vorgriff vor regulatorischen Eingriffen
00:01:57: etc.,
00:01:58: pp und natürlich ganz wichtig Innovation hier in NRW für die lokale Wertschöpfung.
00:02:05: Also statt Rohöl aus irgendwelchen Ländern in Kanistern, in großen Öltonnen zu exportieren, importieren, stellt ihr das selber her aus ganz anderen Materialien oder wie sieht das aus?
00:02:18: Genau,
00:02:18: aus Pflanzenöl.
00:02:19: Also wenn man im Sommer tatsächlich aus dem Fenster guckt, nicht nur hier in Bochum, sondern auch genau bei mir aus dem Büro, dann sieht man die blühenden gelben Rapsfelder.
00:02:26: Die liefern ein wertvolles Rapsöl, das sehr sicherlich jeder aus der Küche kennt.
00:02:30: Wir haben eine Technologie entwickelt, das ist Kern unserer Erfindung und deshalb auch unser Geschäftsmodell, wie es gelingt, dieses Rapsölen in einer Plattform-Chemikalie zu überführen, die dann anstatt von fossilen Rohstoffen, die die chemische Industrie jetzt heutzutage einsetzt, eben dann einsetzen kann, und so eben nachhaltigen grünen Kohlenstoff insbesondere dann in die Produkte des täglichen Bedarfs reinzubringen, sodass wir dann eben sowohl lokale Wertschöpfung treiben können, als auch tatsächlich gleichzeitig das Klima schonen.
00:03:03: Michelle, wie hilft man heutzutage
00:03:05: mit deiner Arbeit solche möglichen Revolutionen anzustoßen?
00:03:09: Wir als World Factory sind die Anlaufstelle für Transfer und Gründung hier an der Ruhr-Universität in Bochum, das heißt wir versuchen Ideen, Innovationen, die Studierende, Wissenschaftler*innen,
00:03:23: aber auch Alumni, die vielleicht schon die RUB verlassen haben als Hochschule, zu finden, dabei zu unterstützen, Ideen und Innovationen in marktfähige Geschäftsmodelle zu überführen, um da eben einen Hebel für die Wirtschaft darzustellen, um ja wirklich Innovation in den Markt zu bringen.
00:03:44: Das gelingt ganz gut.
00:03:45: Wir haben sehr viele Sensibilisierungsangebote, das heißt es geht bei uns primär darum, überhaupt Gründung als Option für Studierende oder Wissenschaftler*innen darzulegen, zu überlegen,
00:03:58: okay, dass kann eine Möglichkeit für mich hier sein ein Karrierepfad nach dem Studium, nach dem PhD, Gründung einfach als Option wahrzunehmen.
00:04:11: Aber sich auch auszuprobieren, dazu zu ermutigen, überhaupt in diese Richtung zu denken.
00:04:16: Und da haben wir sehr viele Angebote geschaffen.
00:04:18: Sehr vielfältig, da gehen wir sicherlich gleich nochmal im Detail darauf ein.
00:04:23: Aber das ist ein Kern unserer Arbeit, den wir eben mit leisten.
00:04:28: Wenn ich das richtig verstehe, dass man auch erstmal unverbindlich ausprobieren kann, ob das was für einen ist, statt sofort den großen Schritt zu machen, eine GmbH anzumelden und damit sozusagen in der freien Wildbahn bestehen zu müssen.
00:04:40: Ist das so ein bisschen auch die Aufgabe?
00:04:42: Ja. Also wir sind in einer Situation in Deutschland, dass wir beispielsweise gerade für sehr wissensbasierte Ausgründungen oder diese Deep-Tech-Ideen, auch sehr viele Förderprogramme vom Land und vom Bund haben.
00:04:56: Das heißt man hat wirklich einen Zeitraum, in dem man die Idee ausprobieren kann, indem man Prototypen entwickeln kann, in dem man ein marktfähiges Produkt oder ein marktfähiges Geschäftsmodell so weit entwickeln kann. Selbst, wenn man sich danach nicht entscheiden sollte
00:05:12: zu gründen, fällt man relativ sanft, würde ich jetzt so in den Raum stellen.
00:05:18: Also wir haben sehr viele Möglichkeiten, die eben von Fördermittelgebern geschaffen werden.
00:05:24: Aber auch so geht es darum, sich auszuprobieren.
00:05:28: Also wir ermutigen schon dazu, man lernt sehr viel als Gründer oder auf diesem Gründungsweg, und das sind glaube ich Qualifikationen, die auch einen später, selbst wenn man sich entscheidet in den Konzern, in die freie Wirtschaft zu gehen, einem sehr zugute kommen können.
00:05:43: Dass es nicht darum geht, du musst jetzt gründen, das große Ziel muss jetzt zwangsläufig die GmbH sein.
00:05:50: Klar freut es uns, wenn es darauf hinausläuft, und natürlich unterstützen wir dahingehend.
00:05:56: Aber wenn jemand sagt, ich habe festgestellt auf dem Weg dahin, das ist absolut nichts für mich, hat sie oder er hoffentlich da auch nochmal andere Qualifikationen, anderes Skills mitgenommen,
00:06:09: die einem dann später zugutekommen.
00:06:10: Thomas, nochmal zu dir.
00:06:11: Wenn du von wir sprichst, Simplifyned, wer ist das?
00:06:13: Okay, die ganz kurze Geschichte ist, dass die Idee dieser Gründung bzw.
00:06:19: die Technologie-Entwicklung im Rahmen eines von der Fachagentur nachwachsende Rohstoffe finanzierten Drittmittelprojekts gelaufen ist bei mir am Lehrstuhl für technische Chemie der TU Dortmund.
00:06:32: Diese Mittel habe ich dann 2020 für meine Nachwuchsgruppe bewilligt bekommen, und hab den ersten Doktoranden 2021 eingestellt, das war Maxi Spiekermann, einer meiner Co-Gründer.
00:06:42: Der hat die Aufgabe von mir bekommen, entwickle eine Technologie oder finde sie, die Pflanzenöl so aufbereitet, dass man damit einen universellen Rohstoff für die chemische Industrie hat.
00:06:54: Nach viel Literaturarbeit haben wir gemerkt, also alles, was bisher am Markt existent ist, das tut es eigentlich nicht.
00:06:59: Wir brauchen andere Anforderungen, wir brauchen etwas besseres, sowohl, ich sag mal, performance-seitig,
00:07:03: aber am Ende auch wirtschaftlich.
00:07:06: Man kann das eventuell mit einigen Dingen machen, die an Markt existent sind, aber das kann nicht wirtschaftlich sein.
00:07:12: Was man nicht vergessen darf: Wir stehen mit den Pflanzenölen, die wir jetzt in den Markt bringen wollen, ganz am Anfang der Wertschöpfungskette.
00:07:18: Das heißt, wir konkurrieren mit Preisen von Erdöl.
00:07:21: Die sind eigentlich nicht zu unterbieten.
00:07:23: Das heißt, wir müssen einen sehr schlanken Prozess und eine sehr schlanke Technologie haben.
00:07:28: Und dieser Aufgabe hat sich dann Maxi im Rahmen seiner Promotion gestellt.
00:07:31: Und irgendwann haben wir dann gesagt, okay, da haben wir was gefunden.
00:07:33: Das ist tatsächlich neu und auch besser als das, was da ist.
00:07:38: Das gilt es also in irgendeiner Form zu schützen.
00:07:40: Also geht man dann eben den Weg, gemeinsam mit den Partnerinnen und Partnern an die jeweiligen Universitäten, wie man denn so etwas zu
00:07:47: tun hat.
00:07:48: Lange Rede kurzer Sinn haben wir irgendwann festgestellt: Jawohl das ist neu, das ist vom Markt gefragt, und sind also schon sehr frühzeitig auf Kontakte in die chemischen Industrie zugegangen und haben gesagt, ist das was für euch?
00:08:00: Könntet ihr euch das vorstellen?
00:08:02: Ist das interessant für
00:08:03: euch?
00:08:04: Und da haben wir ein starkes Echo bekommen, die gesagt haben jawohl, das braucht man, das ist wichtig.
00:08:09: Das gibt es bisher nicht.
00:08:11: Toll, was ihr da an Lösungen gefunden habt.
00:08:13: Und dann steht man da, und dann denkt sich, okay, also, wenn wir das jetzt nicht machen, dann macht's keiner.
00:08:19: Also haben wir uns zusammengetan und gesagt: Jetzt müssen wir uns aus der Deckung wagen, und das erste, was man dann macht, ist so: Wie nennen wir uns denn eigentlich genau, dann haben Maxi und ich uns den Namen überlegt.
00:08:29: Wir sind eigentlich zu wenig Leute, wir brauchen noch mehr.
00:08:32: Das Tolle war Maxi Spiekermann
00:08:33: ist ja aus Bochum, und der ist hier sehr involviert in die Pfadfinderei, und hat dort seine beiden besten Kumpels gefragt.
00:08:42: Könnt ihr euch vorstellen, der eine ist Max Krause, der
00:08:47: Wirtschaftspsychologie studiert hat,
00:08:48: der andere ist Jens Ehlhardt, der hat auch bei uns in Dortmund Chemieingenieurwesen studiert, und damit hatten wir eigentlich ein Team zusammen, das sowohl die fachliche Expertise als auch eben so'n bisschen den Mut hatte, das irgendwie auch gemeinsam anzupacken.
00:09:02: Als Team wirklich, weil man eben glaube ich individuell da nicht sehr weit kommt, und am Anfang muss man schon klar sagen, ist das eine sehr idealistisch getriebene Idee.
00:09:12: Man bekommt ja noch nichts wieder.
00:09:13: Also man muss erstmal Leute dafür gewinnen, die sagen, okay ich bin bereit, jetzt erst mal mindestens zwei Jahre mitzuwirken und erstmal gar nicht so viel dafür zu bekommen und erstmal so die nächsten Schritte zu gehen.
00:09:22: Und da sind natürlich, um jetzt vielleicht ein bisschen vorwegzugreifen erste - ja ich sage mal - aus-der-Deckung-
00:09:28: Wagnisse wie zum Beispiel die From Lab to Market Challenge der Chemstars sind so erste Signale, wo man sagt, okay die Idee mal wirklich vor Publikum auch zu pitchen und dann mal zu sehen, wie kommt das an, kann man damit irgendwas gewinnen?
00:09:42: Dann kommt dieser Stein so ins Rollen, man gewinnt so ein bisschen Traktion, man schweißt sich als Team zusammen. Wenn die Mission stimmt, und dann so ein bisschen auch das, was man sich vorgenommen hat, irgendwann fruchtet,
00:09:55: dann gewinnt man eine Art nochmal einen deutlich höheren Teamgeist.
00:10:01: Und dann begibt man sich gemeinsam auf den Weg, und die nächsten Steine, die man dann ins Rollen bringt, sind dann etwas leichter im Team.
00:10:12: Michelle, ich frag dich gleich, inwiefern das ein typischer Weg jetzt ist,
00:10:16: den du hier gehört hast oder eher untypisch?
00:10:18: Es gibt ja sozusagen verschiedene Herangehensweisen, und das eine ist über einen Wettbewerb, der eine Frage, ein Problem, einen Use Case oder eine Challenge, wie auch immer man es nennt, ausschreibt.
00:10:26: Das wäre jetzt genau hier der Fall.
00:10:27: D. h., es gibt hier ein Problem, das ist zu lösen, und dann macht euch dran, und die besten Ideen werden prämiert.
00:10:33: Oder Menschen haben eine ganz eigene Idee, die sie mitbringen und sagen: Die möchte ich irgendwie umsetzen,
00:10:38: die hat sich vielleicht im Studium ergeben, vielleicht aber auch neben neben dem Studium so immer als kleine Idee, wo man gesagt hat, da könnte man mal was draus machen.
00:10:46: Was ist denn jetzt
00:10:47: typisch?
00:10:48: Schwierig zu beantworten.
00:10:49: Ich würde sagen, es ist relativ ausgewogen, aber bei uns... das mag auch daran liegen,
00:10:58: wir sind ein sogenanntes Excellence Start-up-Center, das heißt, wir waren durch das Land NRW die letzten fünf Jahre gefördert, um Gründungsinfrastrukturen, um Sensibilisierungsangebote für den Campus zu schaffen.
00:11:11: Die TU Dortmund ja genauso, und dadurch haben wir natürlich eine gewisse Sichtbarkeit bekommen.
00:11:17: Das heißt, aktuell würde ich sagen, haben wir schon sehr viele, die mit eigenen Ideen zu uns kommen.
00:11:25: Sowohl Studierende, die beispielsweise Alltagsherausforderungen mitbringen und sagen, ich habe mir darüber Gedanken gemacht.
00:11:34: Ich hätte jetzt folgenden Lösungsansatz, wie könnt ihr mich unterstützen?
00:11:38: Könnte das was sein für eine potenzielle Gründung?
00:11:41: Aber auch eben aus der Wissenschaft, dass sich Gruppen melden, dass sich Lehrstuhl-Mitarbeitende bei uns melden und da einfach in den Prozess gehen.
00:11:52: Und dann ist es ein sehr klassischer Weg ähnlich wie bei euch.
00:11:55: Wie nennt man sich?
00:11:57: Wie findet man raus,
00:11:58: ob das tatsächlich ein Echo seitens des Marktes gibt?
00:12:02: Muss vielleicht ein Patent angemeldet werden?
00:12:04: Liegen Patente bereits vor? Und da unterstützen wir dann eben diesen ganzen Prozess, und eben auch um zu schauen,
00:12:10: okay, Finanzierung ist natürlich dann schnell auch ein Thema.
00:12:14: Kommen mögliche Förderprogramme in Frage?
00:12:17: In der Exzellenzinitiative spielt Gründung eine ganz, ganz große Rolle und sowieso bei beiden Hochschulen oder eigentlich allen Hochschulern in diesem Land ist es zunehmender Fakt.
00:12:26: Aber was ist eigentlich der Grund, warum Hochschulen heutzutage so stark initiativ sind im Bereich Gründungsförderung?
00:12:34: Warum ist das ein wichtiges Thema heutzutage?
00:12:36: Das haben wir Dr.
00:12:38: Thomas Wollinger gefragt.
00:12:43: Für mich sind die Universitäten ein Wissenskraftwerk.
00:12:47: Das heißt, es geht hier um den Transfer von guten Ideen der Forschung in die Wirtschaft, und somit bringt die Gründung von Universitäten entsprechend Arbeitsplätze und Wertschöpfung vor Ort in Bochum.
00:13:01: Wir können
00:13:02: die Frage auch einfach umdrehen:
00:13:04: Wer soll das denn sonst machen, wenn nicht die Universität?
00:13:07: Also ich habe ja so ein bisschen noch die Hochschullehrer-Perspektive auf die Sache.
00:13:10: Und wenn man sich mal überlegt: Was ist das Produkt einer Universität?
00:13:15: Das sind gut ausgebildete Köpfe auf der einen Seite.
00:13:17: Nicht alle Personen, die bei uns an den Universitäten studieren, können am Ende eine akademische Laufbahn einschlagen.
00:13:23: Das sollten Sie auch nicht tun!
00:13:25: Da stimmen die Zahlen einfach nicht.
00:13:27: In meiner Profession, also der Chemie, ist es so, gerade durch die starke regionale Prägung auch
00:13:31: der Chemieindustrie hier im Ruhrgebiet, ist für uns vollkommen klar:
00:13:34: Personen, die in den Hörsälen sitzen, wollen wir gut ausbilden, um sie am Ende in die Unternehmen zu schicken, damit diese Unternehmen hier in der Region wirtschaften.
00:13:44: Das heißt, das ist auch ganz klar von Anfang an so kommuniziert.
00:13:47: D.h.,
00:13:47: das ist das eine Produkt.
00:13:48: Das andere Produkt ist die Forschung.
00:13:49: Die Forschung landet aber häufig eben dann in, ich will es nicht despektierlich sagen, aber der normale Weg ist, sie landet eben dann in Zeitungsartikeln und wird dann veröffentlicht.
00:13:58: Und damit steht sie natürlich zur Öffentlichkeit zur Verfügung
00:14:01: prinzipiell, nur wie kann diese Forschung am Ende tatsächlich Traktion auf der Straße
00:14:07: in der Wirtschaft oder auch für eine gesellschaftliche Veränderung zur Verfügung stehen?
00:14:11: Und dafür braucht es eben die Personen, die es umsetzen.
00:14:15: Und die Personen, die es umsetzten sind in der Regel am besten diejenigen, die das erfunden und aber beforscht haben.
00:14:20: Deshalb ist es ein ganz klarer Auftrag der Universitäten, den insbesondere, glaube ich wir hier in Regionen verstärkt sehen, dass wir für die Region, die einen hohen Gestaltungs- und Umwandlungswillen hat, genau diese Schnittstelle schaffen, um eben die Forschung, die hier wirklich exzellent ist, wirklich am Ende auch für die Gesellschaft nutzbar zu machen.
00:14:40: Es zeigen ja auch die Zahlen, also die meisten Start-ups, die im letzten Jahr gegründet worden sind, haben Hochschulabschlüsse, und Gründer sehen sich auch teilweise als Übersetzer eben von diesen Innovationen, von Forschungsergebnissen in marktfähige Produkte, in Unternehmen.
00:15:01: Ich glaube, dass wir da wirklich als Universitäten eine große Rolle spielen und ich sehe es wie Thomas.
00:15:08: Es ist unser Auftrag.
00:15:10: Wer kommt zu euch?
00:15:11: In welchem Stadium kommen die Leute?
00:15:13: Also gibt es sozusagen ein zu früh oder ein zu spät?
00:15:16: Für wen ist Gründung überhaupt etwas... der geeignete Weg?
00:15:20: Ich würde sagen, zu früh gibt es nie. Es ist immer gut frühzeitig mit uns in Kontakt zu kommen.
00:15:25: Wir sind so ein bisschen die Lotsen, können auch sagen, wer sind geeignete Ansprechpartner, wen kann man auch im Ökosystem ansprechen?
00:15:35: Wir machen so ein bischen die Bedarfsanalyse zu Beginn:
00:15:37: Wo stehen die Personen mit den ideen jeweils, was wird gebraucht?
00:15:43: Gibt es den nächsten Wettbewerb, auf den vorbereitet werden muss?
00:15:47: Wollen Förderanträge gestellt werden?
00:15:48: Also da sortieren wir erstmal sehr viel zu Beginn und schauen, okay, wie sieht der Prozess aus?
00:15:55: Wichtig ist dabei, wir geben dem Prozess nicht vor, sondern wir gestalten ihn gemeinsam mit den angehenden Gründungsteams.
00:16:06: Wo ist wirklich Unterstützung von unserer Seite nötig?
00:16:09: Wo muss das Team vielleicht auch noch mal in sich gehen, nochmal überlegen, wie bestimmte Sachen ausgestaltet werden sollen.
00:16:16: Aber zu früh gibt es erstmal pauschal so nicht deswegen Also wirklich frühzeitig.
00:16:23: Was die Zielgruppen betrifft, also wir haben sowohl Studierende, die auf uns zukommen, aber eben auch Wissenschaftler*innen und Alumni, die auch zurück an die Hochschulen kommen, sich noch mal bei uns melden und sagen das Angebot gab es vorher nicht,
00:16:37: als ich der RUB studiert habe, oder das war mir nicht bewusst oder ich hab jetzt drei Jahre in der Wirtschaft gearbeitet, hab festgestellt, es gibt einen Bedarf, oder ist es nochmal eine Idee aufgekommen,
00:16:48: könnt ihr mich da unterstützen?
00:16:50: Das ist sehr vielfältig, also es sind diese drei Kernzieheruppen, würde ich aber sagen, die wir auch ansprechen mit unseren Angeboten, und zu spät, ja gibt das schon, nämlich dann, wenn schon gegründet wurde.
00:17:07: Dann wird es auch für uns schwierig, noch zu unterstützen, gerade wenn dann das Thema Finanzierung aufkommt, oder kommen Förderprogramme in Frage, dann ist es leider so, dass die Förderlandschaft ja so ausgelegt ist, dass man eben noch nicht gegründe haben darf, zumindest für die meisten Förderungen, und wir können mit Netzwerken unterstützen und geben natürlich da unser Bestes.
00:17:34: Aber nach Gründung wird es ein bisschen schwieriger auch, dass wir als Universität dann da noch unterstützen können.
00:17:41: Deswegen zu früh und da keine Scheu. Nach Gründung
00:17:46: wie gesagt, gehen wir gerne ins Gespräch aber dann muss man individuell schauen wie die Bedarfe sind.
00:17:50: Vielleicht eine wichtige Frage ist das auch ein Thema für Geisteswissenschaftler*innen?
00:17:55: Als RUB sind ja eine Volluniversität, und wir tragen auch das Thema Gründungen in alle Fachbereiche und alle Fakultäten hinein, und es ist definitiv auch für nicht-technische Fächer oder für die Geistes- und Sozialwissenschaften ein Thema.
00:18:09: Wir haben da einige Ausgründungen, einige die jetzt gerade kurz vor Gründung stehen aber auch einige, die schon erfolgreich gegründet haben,
00:18:17: sodass wir da wirklich gute Role Models oder Mentor*innen aus unserem Alumni-Netzwerk mit an die Hand geben können, und es ist nicht so, dass nur aus den Ingenieurswissenschaften oder Naturwissenschaften gegründet wird, sondern an der RUB über alle Fakultäten hinweg.
00:18:34: Und dann gibt es ja noch einen Schwerpunkt, nämlich für Gründerinnen.
00:18:37: Genau!
00:18:37: Wir haben bei uns während der Förderung, die wir in den letzten fünf Jahren eben hatten, speziell mit FACE, Female Academic Entrepreneurs, speziell Sensibilisierungsangebote für weiblich gelesene Studentinnen oder Studenten geschaffen, um eben auch nochmal das Thema präsenter zu machen, gerade bei dieser Zielgruppe.
00:19:03: Dass man eben ermutigt Frauen zu gründen, Frauen da nochmal einen Raum zu geben mit anderen Gründerinnen als Role Models auch in Kontakt zu treten, und genau das hat der Bund auch erkannt.
00:19:18: Es gibt mit Exist Women auch ein entsprechendes Förderprogramm. Und wir an der RUB sind da so bisschen in die Vorreiterrolle reingegangen, muss man sagen.
00:19:28: Wir haben das Kompetenzzentrum.
00:19:30: Da gibt es viele Angebote, die wir speziell geschaffen haben, und es ist leider auch immer noch der Fall, dass gerade der Anteil an weiblichen Gründerinnen immer noch geringer ist.
00:19:42: Und da tun wir gerne was und unterstützen, um das Thema da präsenter zu platzieren.
00:19:49: Sehr gut!
00:19:51: Thomas,
00:19:52: Ihr habt jetzt in Dortmund gegründet.
00:19:54: Du hast ja gesagt, der Weg kam sozusagen aus einer Frage, die bei einem Wettbewerb kam an einen Lehrstuhl, der dann sozusagen das Team zusammengestellt bzw. auf den Weg gebracht hat.
00:20:04: Und dann kam das CET ins Spiel.
00:20:06: Was ist das?
00:20:06: Und wie war euer Weg da und
00:20:08: inwiefern spielt auch die Vernetzung jetzt über des CET hinaus mit anderen Institutionen im Ruhrgebiet eine Rolle
00:20:14: wenn man jetzt wirklich sozusagen on the track also ein Unternehmen an den Start bringt?
00:20:19: Das CET
00:20:19: ist das Zentrum für Entrepreneurship und Transfer der TU Dortmund, bündelt sozusagen die Transferanstrengungen der TU Dortmund und bietet eben, glaube ich, brauche nicht wiederholen, ähnlich, wie wir das gerade gehört haben, einen ganzen Blumenstrauß an Möglichkeiten, wie man eben als Student*in, als Doktorand*in irgendwie den Weg ausbricht oder ausbrechen kann um in Richtung Gründung zu gehen.
00:20:48: Bei uns war es so, dass ... das darf man ja auch ruhig erwähnen, häufig spielt auch der Zufall eine Rolle,
00:20:54: man hat Kontakte und kennt Leute.
00:20:57: Es ist nicht alles nur Blaupause, sondern auch Gelegenheiten, die sich ergeben, die man ergreifen muss.
00:21:02: In meinem Fall war's so, dass ich einen ehemaligen Kommiliton von mir im CET kannte.
00:21:07: Der wusste dazu, was ich an Forschung betreibe.
00:21:09: Ich hatte mich früh damit beschäftigt:
00:21:12: Was kann denn eigentlich da raus kommen?
00:21:15: Und wie kann das am Ende in einen Transfer münden?
00:21:17: Ist ja auch so, wenn ich ein Forschungsantrag stelle.
00:21:20: Also du hast es jetzt gerade Wettbewerb genannt.
00:21:21: Das ist also ganz schnöselig eigentlich ein Drittmittelforschungsantrag, den
00:21:24: ich also gestellt habe, die Frage hab' ich da selber reingeschrieben.
00:21:29: Dann muss man am Ende gerade bei öffentlichen Geldgeben und auch immer reinschreiben, okay, was hat am Ende denn also auch die Gesellschaft davon?
00:21:34: Also wie kann der Transfer tatsächlich gelingen?
00:21:36: Da habe ich ganz opportunistisch reingeschrieben:
00:21:38: Also ich könnte auch selber gründen. Und da habe ich mich dann eben mit meinem Kommiliton damals vom CET zusammengesetzt.
00:21:44: Also bevor es überhaupt diese konkrete Idee gab, tatsächlich einfach erst mal okay was würde das bedeuten?
00:21:48: Was sind für Angebote da?
00:21:50: Und dass würde das nochmal unterstreichen, es wirklich so früh wie möglich, also auch den Kontakt schon einmal suchen.
00:21:56: Man muss vielleicht ein bisschen relativieren, man muss nicht unbedingt eine eigene Idee haben, um zu gründen, um diesen Transfer zu gehen.
00:22:06: Du hast es gerade angesprochen, wie ist das eigentlich mit Geisteswissenschaftlerinnen?
00:22:10: Das sind tatsächlich genau die Personen, die uns jetzt wiederum fehlen!
00:22:14: Wir sind halt ein total techgetriebenes Unternehmen und eine total tech-getriebene Ausgründung... Also das ist zu wenig divers.
00:22:23: Man muss sich breiter aufstellen, wenn man ein Unternehmen ist, weil man eben auch ganze Teile abbilden muss, die wir nicht gelernt haben.
00:22:29: Das heißt also ganz viele Fachbereiche brauchen wir, die nicht unbedingt die eigene Idee mitbringen müssen, um eben bei diesen Veranstaltungen und auch in diesen Workshops und Seminaren mitzumachen.
00:22:39: Sondern wir würden gerne diese Veranstaltung dazu nutzen, uns zu vernetzen.
00:22:45: Ich habe es erlebt, dass ich also beim TU Startup Award jetzt letztes Jahr beispielsweise, dass dann einfach Studierende auf uns zugekommen sind und gesagt haben, ihr habt aber eine coole Idee.
00:22:55: Ich studiere aber eigentlich was total anderes und kann nicht mich irgendwie einbringen oder was kann ich irgendwie tun?
00:23:00: Dann sagt ihr das ist genau der richtige Weg.
00:23:02: Wagt euch aus der Deckung!
00:23:03: Ihr braucht nicht eure eigene Idee, sondern geht auf die Veranstaltung.
00:23:06: Hört euch an was passiert.
00:23:08: Was kann man machen?
00:23:08: Einfach wirklich frühzeitig, und deswegen muss man vielleicht so ein bisschen relativieren.
00:23:12: Die eigene Idee ist nicht Grundvoraussetzung dafür Gründer*in zu sein, sondern einfach der Gestaltungswilde und das Mitmachenwollen.
00:23:22: Und wir sind sehr immer auf der Suche nach Leuten, die wirklich eine ganz andere Blickweise haben, weil das macht so ein Unternehmen, so eine Unternehmung einfach auch nur noch viel stärker.
00:23:31: Also von daher ganz klares Ja: Man muss nicht ein Deep techie sein, und es hilft auch manchmal nicht, wenn man mit vier Naturwissenschaftlerinnen und Ingenieuren in einem Raum sitzt.
00:23:41: Da ist eine andere Sichtweise doch auch ganz hilfreich
00:23:45: häufig.
00:23:46: Wir haben, um das Thema der Vernetzung und der etwas größeren Strategie noch einmal den Blick zu nehmen zum Abschluss.
00:23:54: einmal dem Prorektor Forschung und Transfer, der Ruhr-Universität Bochum Günther Meschke gefragt, was denn sonst noch gerade so los ist.
00:24:03: Und er hat uns etwas erzählt, was wir uns kurz anhören,
00:24:07: und dann gehen wir da zum Abschuss nochmal auf das Ökosystem hier rund um Gründungen und Start-ups im Ruhrgebiet ein.
00:24:15: Die Ruhrgebietsuniversitäten haben seit fast zehn Jahren
00:24:21: nunmehr
00:24:22: erkannt, welche große Bedeutung sie haben
00:24:26: für die Transformation des Ruhrgebiets insgesamt hin zu einer starken von Technologie- und Wissen geprägten Gesellschaft.
00:24:35: Ich kann sagen, dass wir mittlerweile beide Universitäten unter den Top zehn deutschlandweit sind in Bezug auf Gründungsaktivitäten.
00:24:46: Und ich kann auch sagen, das wir seit 2019 insgesamt 360 Ausgründungen mittlerweile zu verzeichnen haben.
00:24:53: Ich glaube, wir können stolz sein, dass wir in den letzten sechs Jahren diesen großen Gradienten geschafft haben, hinsichtlich Gründungsaktivitäten.
00:25:03: Und ich glaube
00:25:04: sagen zu
00:25:05: können, dass wir damit auch einen gewissen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung des Ruhrgebiets insbesondere, aber natürlich auch darüber hinaus leisten werden.
00:25:18: Und unsere Stärke besteht in der frühphasigen Förderung.
00:25:22: Und wir sind dabei, das Ruhr Innovation Lab
00:25:27: auch
00:25:27: ganz stark anzudocken
00:25:29: an einen Leuchtturm in Bezug auf sogenannte Acceleration im Gründungsbereich – das ist die sogenannte BRYCK-Start-up Alliance, mit der wir eben als die Institution die frühphasigen Talente erkennt und entwickelt,
00:25:49: und dann anschließende Möglichkeiten haben, über die BRYCK Start-up Alliance, diese Talente nicht in irgendwelche anderen Regionen abwandern zu sehen, sondern tatsächlich auch in der Region weiterzuentwickeln, zu prosperierenden Unternehmen weiterzuentwickeln und auch hier in der Region zu halten.
00:26:10: Jetzt haben wir hier einen wichtigen Namen noch gehört, den wir vielleicht nochmal einmal einordnen, nämlich die BRYCK Startup Alliance.
00:26:17: Michelle, was ist das genau?
00:26:20: Es gab vor zwei Jahren, ist der ganze Prozess gestartet,
00:26:26: den sogenannten Leuchtturm-Wettbewerb, der vom Bund ins Leben gerufen wurde.
00:26:33: Also vom Bundeswirtschaftsministerium in dem Fall, und es geht darum, tatsächlich deutschlandweit... Das ist nicht auf eine Region nur fokussiert, sondern deutschlandweit, sogenannte Leuchtürme,
00:26:47: später wurde es weiterentwickelt und hieß Start-up Factory, das ist vielleicht einigen einm Begriff, zu schaffen,
00:26:54: nach dem Beispiel in der TUM in München, um eben starke Start-up-Ökosysteme zu gestalten und da nochmal Akteure und Leuchttürme zu schaffen, die uns auch international dann noch mal eine gewisse Strahlkraft beschaffen.
00:27:12: Und gemeinsam mit BRYCK und den drei UA Ruhr-Universitäten, das heißt der TU Dortmund,
00:27:21: der Universität Duisburg-Essen und wir als Ruhr-Universität Bochum haben da eben erfolgreich in einem zweistufigen Verfahren, also es gab eine Konzeptphase, dann gab's noch mal die Antragsphase,
00:27:33: haben wir da den Zuschlag bekommen.
00:27:36: Das Ganze wird auch unterstützt von der RAG-Stiftung. Und sind jetzt im gemeinsamen Verbund als BRYCK Start-up Alliance Teil dieser Start-up-Factory-Initiative seitens des Bundes und planen da gemeinsam eben für das Ruhrgebiet, aber auch darüber hinaus,
00:28:01: im Ruhrgebiet ansässig.
00:28:02: Die BRYCK-Start-up Alliance allein sitzt in Essen, soll aber natürlich nicht nur für die Region, sondern über die Regionen hinaus, eine Strahlkraft entwickeln für das Thema Gründung.
00:28:13: Und da sind wir dabei, eben Angebote zu schaffen, die mit den Universitäten, die ja sehr frühphasig, wie Herr Meschke betont hat,
00:28:23: ja, Talente schon ausbilden.
00:28:26: Wie auf den ersten Gründungswegen unterstützen oder die ersten Grundungsschritte mitgehen.
00:28:32: Dann da tatsächlich dann später, wenn es in Richtung Wachstum geht, Angebote zu schaffen, die dann den Teams und den Start-ups eben zugutekommen.
00:28:41: Also das heißt ... Wenn ich das richtig verstehe,
00:28:43: das sind noch mal so Kompetenzzentren, die sich bilden aus bestehenden Strukturen, die dann nochmal besonders gefördert werden,
00:28:50: weil sie schon – sagen wir nicht das Wort Exzellenz, weil es ist jetzt eine andere Initiative, aber weil die schon besonders erfolgreich arbeiten und auch schon besonders erfolgreiche Strukture entwickelt
00:29:00: haben?
00:29:00: Ich würde es gar nicht als Kompetenzzentren bezeichnen, sondern es ist wirklich eine Factory, ist wirklich eher eine Art Schmiede für..., wo dann nochmal wirklich Schnittstellen mehr geschaffen werden.
00:29:14: In unserem Fall ist es so, dass es natürlich einen Fokus geben wird: Wie kann man für die Start-ups noch mal den Weg in die Wirtschaft mitgestalten?
00:29:23: Wie schaffen wir es auch, Kapital ins Ruhrgebiet zu holen, damit die Start-ups eben hier bleiben können, sich entfalten können und neue Arbeitsplätze geschaffen werden können, aber eben auch für die Investoren die Region noch mal ein Stück weit interessanter wird.
00:29:39: Weil wir haben sehr viele Ausgründungen und das Potenzial ist hier. Also da... Das wird ein Fokus sein, aber eben auch zu schauen, okay, welche Herausforderungen haben Unternehmen hier in der Region, da sind wir bei dem Ansatz, den Thomas Anfangs gesagt hatte.
00:30:00: Okay was braucht vielleicht die Wirtschaft?
00:30:02: Und dann sind wir in Zusammenarbeit mit der BRYCK Start-up Alliance als Universitäten dabei zu schauen, okay, welche Talente haben wir, die für passende oder für aktuelle Herausforderungen, die wir in der Wirtschaft haben, Lösungen entwickeln können?
00:30:17: Welche Lösungsansätze oder Innovationen gibt es an den Hochschulen gerade?
00:30:21: Und das eben auch zusammenzubringen, also auch das wird ein Teil maßgeblich von der BRYCK Start-up Alliance sein.
00:30:29: Vielleicht da zum Abschluss einmal die Frage nach den Netzwerken.
00:30:33: Dazu hat Thomas Wollinger eine Beobachtung
00:30:36: gemacht.
00:30:37: Früher hatte ich das Gefühl, ich sage mal so, vor zwanzig Jahren, wie ich gegründet habe, jeder kocht so ein bisschen seine eigene Suppe, jeder versucht sein Geschäft nach vorne zu bringen.
00:30:48: Heute ist es so, dass alles Hand in Hand geht.
00:30:50: Das Angebot der Universität und Stadt der Wirtschaftsentwicklung greift ineinander.
00:30:54: Da sind Netzwerke entstanden – in den Städten als auch zwischen den Ständen die
00:30:59: tragen.
00:31:01: Thomas, wie ist deine Erfahrung mit Ökosystemen?
00:31:03: Welche Rolle spielt das bei einer Gründung?
00:31:06: Eine sehr große Rolle, eine Rolle, die man nicht unterschätzen darf.
00:31:11: Man darf sich sehr früh, ich habe das glaube schon mal gesagt, sehr früh aus der Entdeckung wagen.
00:31:16: Diese Netzwerke sind sehr weich und man fällt also auf eine sehr wohlwollende Zuhörerschaft.
00:31:23: Das heißt die Netzwerken wissen auch, wie man die entsprechenden Themen, aber auch die entsprechende Person so mitnimmt, dass sie am Ende dann eben auch die richtige Entscheidung trifft.
00:31:35: Es muss ja nicht immer in die Gründung stehen, es muss die richtige Entscheidungen für die jeweilige Person oder das Thema am Ende stehen.
00:31:40: Das heißt die Netzwerke sind sehr, sehr wichtig.
00:31:43: Auf mehreren Ebenen – ich hatte gerade schon erwähnt, wir sind insbesondere bei den Chemstars mit im Netzwerk das natürlich eine sehr chemisch fokussierte, ein sehr chemisch fokussiertes Netzwerk, aber auch die BRYCK Start-Up Alliance setzt ja bestimmte Schwerpunkte, die eben auch der Region hier besonders wichtig sind.
00:32:00: Da ist Wasserwirtschaft beispielsweise dabei, da ist aber auch Health dabei, Chemistry ist ein Punkt und für uns als Unternehmen ganz individuell gesprochen, ist natürlich die lokale Komponente extrem wichtig.
00:32:13: Wir haben ja eben keine Dienstleistung oder eine App konstruiert, sondern wir haben tatsächlich eine Technologie entwickelt, die am Ende irgendwann, man sagt das so schön, in Stahl und Eisen gegossen werden muss.
00:32:22: Das heißt, wir brauchen auf jeden Fall die Unterstützung von der Region, weil wir am Ende hier in einem Chemiepark, und davon haben wir zum Glück im Ruhrgebiet doch schon einige,
00:32:33: am Ende wirklich eine Anlage werden bauen müssen, die dann hoffentlich in sieben, acht Jahren wirklich 50.000 Tonnen Pflanzenöl für die chemische Industrie bereitstellt.
00:32:42: Dazu braucht es ein Team, klar.
00:32:43: Aber dazu brauchen vor allem eben Infrastruktur.
00:32:45: Das können Universitäten, das kann aber auch kein normales Gewerbegebiet irgendwie leisten, sondern das ist am Ende ein Chemie-Park.
00:32:52: Das heißt, da sind wir ja sehr froh über die lokale Unterstützung.
00:32:55: Die einzelnen Städte selber tun schon einiges.
00:32:58: Ich glaube, wenn wir uns als Region Ruhrgebiet zusammentun, können wir noch viel mehr tun, und ich glaube, so verstehen wir auch unseren Auftrag.
00:33:04: Wir sollten diese Städtegrenzen, die auch auf der Autobahn manchmal nicht ersichtlich sind, sollten wir auch nicht anfangen, jetzt künstlich für die entsprechenden Förderungen aufzubauen.
00:33:13: Deswegen bin ich sehr dankbar, dass wir zu einem Zeitpunkt diese Gründung initiiert haben, wo wirklich sich auch sehr viel bewegt.
00:33:19: Was nicht nur Transfer aus den einzelnen Unis, sondern auch Transfer über die Unis hinaus in die Städte, in die lokale Förderung reingeht.
00:33:27: Und das kann ganz klein anfangen, wenn man zum Beispiel einfach nur mit Sparkassen aus der Region redet, wenn es um Finanzierung etc.
00:33:32: geht.
00:33:33: Also auch die haben natürlich aus Sicht heraus ein großes Interesse daran, unternehmen für die Regionen zu gewinnen, und das geht also in vielfältige Dinge hinein.
00:33:43: Von daher Netzwerke auf jeden Fall ein sehr wichtiger Aspekt.
00:33:47: Das wäre schon fast das perfekte Schlusswort. Ich möchte Michelle, dir trotzdem noch mal eine Schlussfrage stellen.
00:33:53: Ab welchem Zeitpunkt entlässt man das Start-up quasi aus den Händen der Alma Mater?
00:34:01: So richtg
00:34:03: lässt man es nie los, und man verfolgt ja immer,
00:34:05: gerade wenn man selber als Gründungsberaterin involviert war, verfolgt man natürlich immer den Weg.
00:34:12: Ab Gründung oder wenn die Start-ups dann tatsächlich in erste eigene Büros ziehen beispielsweise, ist dann schon der Zeitpunkt, wo sie natürlich selber sich organisieren, wo wir auch nicht mehr alle zwei Wochen einen Termin haben oder ähnliches.
00:34:29: Aber Ich würde sagen für uns, ist es immer wichtig, trotzdem noch dran zu bleiben.
00:34:34: Wir versuchen, unsere ehemaligen Start-up-Gründer als Mentor*innen für die jungen Teams dann wiederum zu gewinnen, sodass wir da eigentlich immer einen sehr guten Draht versuchen aufrechtzuerhalten oder aufzubauen, um in Kontakt zu bleiben.
00:34:52: Also so ganz lässt man die nie los.
00:34:54: Natürlich wird es irgendwann weniger mit dem Austausch oder mit Kontakten, aber wenn sich auch ein Team noch mal nach fünf Jahren bei uns meldet und sagt, da brauchen wir Unterstützung oder kennt ihr jemanden, das hört nicht auf.
00:35:09: Also wir sind eigentlich ständig dann noch im Austausch. Mal mehr und mal eben ein bisschen weniger.
00:35:14: Und für die Teams, die am Ende betreut werden, aus den Universitäten sind genau diese Kontakte sehr, sehr wertvoll.
00:35:20: Das heißt, also auch die Alumnipflege durch die entsprechenden Institutionen ist sehr wichtig.
00:35:26: Im besten Fall kriegt man einen besseren Marktüberblick, oder man muss vielleicht einfach Fehler nicht mehr machen, die andere schon gemacht haben.
00:35:32: Nur mal ein Tipp, wie kann man dies oder jenes machen?
00:35:33: Also das Netzwerk.
00:35:35: klar, das hatte ich gerade erwähnt, aber zu diesem Netzwerk gehört eben auch ein ganz starker Teil der Erfolgsgeschichten, sei es als Rolemodel oder einfach als Unternehmen, die viele Dinge schon mal bewegt haben, die man selber noch bewegen will.
00:35:46: Das ist auch sehr wichtig!
00:35:47: Und auch viele Fehler gemacht haben, denen nicht jeder nochmal neu machen muss... Das ist sozusagen das Tolle.
00:35:53: Oder, du hattest es vorhin angesprochen Thomas, wenn es darum geht um das Team zu erweitern.
00:35:59: Also auch da erreichen uns mittlerweile viele Anfragen, ob wir Stellenausschreibungen eben teilen können, ob wir Studierende kennen, die Lust haben, ja, mal in einem Startup zu arbeiten, da ihre Erfahrungen zu sammeln, also sehr vielfältig.
00:36:16: Deswegen auch da interessant auch für die Teams mit uns weiterhin in Kontakt zu bleiben, um eben an neue Talente für sich zu kommen.
00:36:26: Das war für unsere Folge das perfekte Schlusswort.
00:36:29: Ganz herzlichen Dank euch beiden, dass ihr heute da wart!
00:36:32: Wir freuen uns auf die nächsten Folgen, laden euch lieber Hörerinnen und Hörer schon jetzt herzlich ein, eure Fragen zur Bewerbung des Ruhr Innovation Lab in der Exzellenzstrategie zu stellen Denn nach der Begehung haben wir noch einmal die beiden Rektoren aus Bochum und Dortmund zu Gast unter dem Motto Ask Me Anything.
00:36:49: Fragen könnt ihr senden an hochschulkommunikation@rub.de.
00:36:55: Mein Name ist Sven-Daniel Gettys, und wir hören uns in der nächsten Folge wieder!
00:36:59: Tschüss.
Neuer Kommentar